„Margarete Brix erzählt“

19. Sep. 2011

Heute ein weiterer Teil der Kolumne um Margarete Brix und Kommissar Rasmussen. Wie man das i-Phone als Tarnung benutzt und was es mit dem grauen Novemberhimmel auf sich hat.

 

Moin, moin,

dieser Tage saß ich bei uns im Hafen. Die Mädels aus dem Luzifer hatten mir den Strandkorb ein büschen Richtung Sonnenuntergang gedreht. Schön war das. Wie so oft in letzter Zeit hatte ich die Ohrstöpsel meines neuen i-Phone angelegt. Natürlich ohne Musik. Alle denken, man würde telefonieren, oder Musik hören. Die Leute lassen einen jedenfalls in Ruhe und fühlen sich, wie soll ich sagen, gesprächstechnisch ungehemmter. Mit anderen Worten: Ich lauschte dem Gespräch der beiden Damen im Nachbarkorb.

„Inge“, flötete die eine. „Du bist ja überpünktlich.“ „Ja, man muss sich jetzt wieder umstellen, ich habe sofort einen Parkplatz bekommen, beim Bäcker war ich als Erste dran und keine Schlange vor dem Geldautomaten.“ „Stimmt“, bestätigte die andere Dame. Die Schulferien sind ja rum, die Urlauber sind weg. Herrlich.“ Ja, endlich Herbst.“ Gegacker.

Mir war das noch gar nicht aufgefallen, aber tatsächlich war es in der letzten Woche spürbar ruhiger geworden und während sich manch einer schon jetzt vor kürzeren Tagen und Herbststürmen fürchtete, sahen andere das Positive. Ist doch immer eine Frage der Perspektive. In der neuen Galerie auf der Carlshöhe sagte jüngst ein Muthesius-Schüler zu mir, die feinen Grau-Nuancen des Novemberhimmels stellten für ihn eine willkommene Herausforderung dar. Seine scheinbar monochromen Bildcollagen erhielten ihre besondere Tiefe erst durch den sensiblen und differenzierenden Blick der Betrachter. »Schnösel«, hatte ich da zunächst gedacht, aber nun, im Nachhinein. Vielleicht hat der Junge ja recht und unsere Sicht der Dinge ist öfter eine subjektive, als wir gemeinhin annehmen. Als Dachdecker oder Pizzabäcker beurteilt man einen heißen Sommertag sicher anders, als die in der Ostsee planschenden Kinder. Die Bauern sind nun froh, dass sie den Weizen vom Feld haben, die Polizisten sind dankbar, weil die Zeit der nächtlichen Ruhestörungen durch ausufernde Grillparties vorbei ist und manche Therapeuten reiben sich die Hände, weil bald wieder die Winterdepressiven für klingelnde Kassen sorgen.

Gestern rief mich meine Freundin Marie aus Köln an und lud mich ein. Am Elften im Elften sei Sessionsauftakt. In der Arena würden Brings und die Bläck Föös und die Höhner und was weiß ich, wer sonst noch, so richtig einheizen. Ich war erleichtert, dass ich schon Karten für die Stadthalle in unserem schönen Eckerförde hatte. Die Theatergrupp Plattdüütsch bringt nämlich die Kriminalkomödie Arven is nich licht auf die Bühne. Als  Beiratsmitglied im Nordfriisk Instituut, das die friesische Sprache fördert, kann ich da natürlich nicht fehlen. Langsam begann ich mich auch auf den Herbst zu freuen. Vielleicht sollte ich schon mal Holz für den dänischen Ofen bestellen. Ich zahlte und machte mich auf den Weg.

Pferdemarkt Ecke Gaehtjestraße kommt mir mein alter Freund und Doppelkopfpartner Fiete Burmester entgegen. „Na Fiete“, sage ich, „Zeit für deinen Sundowner, bist spät dran. Husch, husch.“ Der dicke Fiete schnaubt leicht verächtlich. „Ach Margarete, dir und deiner Dauerüberwachung kann man wohl nie entgehen.“  Er grinst schief und trollt sich. Ich blicke ihm über die Schulter nach. Denn Fiete hat seine kurze Sommerbuxe im Schrank gelassen und auf lang umgestellt. Ein Segen fürs Auge, denke ich und: Endlich Herbst!

 

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