„Arbeiten mit Procreate am iPad“

08. Dez. 2017

Seit kurzem habe ich die Möglichkeit, die App „Procreate“ am iPad zu nutzen. Mit dieser App kannst du auf dem iPad fast genauso arbeiten wie du es aus Photoshop gewohnt bist. Ich habe es ausprobiert und denke, dass für eine kleine App (sie kostet 9,99 Euro) die Möglichkeiten absolut in Ordnung sind. Du bekommst die App über den Apple Store, dort kannst du sie kaufen und dann herunter laden. Sie ist dann direkt auf dem iPad installiert, es bedarf keiner weiteren Schritte.

 

Das iPad im Einsatz

Das iPad im Einsatz

 

Wenn du die App installiert hast empfiehlt es sich, mit dem Apple Pencil zu arbeiten. Dieser koppelt sich via Bluetooth. Der kostet zwar eine Stange Geld (109,00 Euro), er bietet aber gerade im Zusammenhang mit der App tolle Möglichkeiten. Das iPad reagiert sowohl auf den Stiftandruck als auch auf den Neigungswinkel. Du kannst den Stift sogar relativ schräg aufsetzen, so dass die komplette Spitze genutzt wird. So lässt es sich wunderbar schraffieren. Mit diesem Stift zusammen kannst du sehr gut in Procreate arbeiten bin ich der Meinung.

Dokument anlegen: Du hast die Möglichkeit, ein neues Dokument nach deinen Vorstellungen zu erstellen, sprich kannst die Größe und die Auflösung bestimmen. Außerdem sind einige Formate voreingestellt, wenn man damit arbeiten möchte. Ein wenig aufpassen muss man bei sehr großen Formaten. Denn je größer du die Datei anlegst, umso weniger Ebenen stehen dir später zur Verfügung. Als Beispiel habe ich einmal ein A4-Format in 300ppi erstellt, dort hatte ich 57 Ebenen zur Verfügung. Erhöhe ich die ppi-Zahl auf 600, sind es nur noch 11. Das mag für den ein oder anderen reichen, ich arbeite gerne mit vielen Ebenen, da wären 11 wohl schon knapp. Aber mit 57 Ebenen lässt sich gut arbeiten und 300ppi ist ja die Standarddruckauflösung. Das schöne ist, dass dir Procreate die Anzahl der Ebenen direkt beim erstellen des Dokuments anzeigt.

 

Du kannst dein individuelles Dokument anlegen

Du kannst dein individuelles Dokument anlegen

 

Wenn du schon mehrere Dokumente angelegt hast, bekommst du sie alle in der Galerie angezeigt. Dort kannst du sie jederzeit wieder auswählen und weiter bearbeiten, umbenennen, duplizieren, löschen oder zu Stapeln vereinen. Also eine gute Übersicht.

Mit Ebenen arbeiten: Wenn dein Dokument nun geöffnet ist, arbeitet es sich sehr ähnlich zu Photoshop. Du kannst wie gesagt mehrere Ebenen nutzen, die sich ähnlich der Palette in Photoshop bedienen lassen. Neue Ebene erstellen, anklicken und gedrückt halten ermöglicht dir, sie in der Reihenfolge zu verschieben. Ein Klick auf das kleine Bild in der Ebene bringt weitere Möglichkeiten zum Vorschein. Alles auf der Ebene liegende auswählen zum Beispiel, eine Funktion, die ähnlich der Schnittmaske in Photoshop gedacht ist. Entweder kann ich jetzt auf derselben Ebene innerhalb der Auswahl arbeiten oder ich lege mir eine neue an und arbeite dort weiter.

 

Hier sieht man die Ebenenpalette

Hier sieht man die Ebenenpalette

 

Ausgewählte Dinge lassen sich bewegen, skalieren, drehen und verzerren (zum Verzerren muss einer der Eckpunkte länger angeklickt werden, dann ist nur dieser Ankerpunkt aktiv), so kannst du also auch mitten im Arbeiten flexibel mit den Elementen umgehen. Ähnlich dem Lasso kannst du auch nur einen Bereich auf der Ebene auswählen und diesen dann skalieren usw. Auch Gruppen von Ebenen kennt das Programm. Wählst du mehrere Ebenen aus, indem du sie anklickst und gleichzeitig nach rechts wischt, kannst du sie in einer Gruppe organisieren. Ein- und ausblenden ist sowieso kein Problem. Und auch in Procreate kannst du mit unterschiedlichen Ebenenmodi spielen, die App bietet dir fast 20 unterschiedliche Einstellmöglichkeiten. Multiplizieren oder aufhellen ist also gar kein Problem.

Wischst du die Ebene nach links, stehen dir weitere Möglichkeiten zur Verfügung. Sie zu löschen zum Beispiel. Solltest du einmal etwas falsches gemacht haben, gibt es immer eine Zurück-Taste, du kannst also alles wiederherstellen. Auch ein Touch mit zwei Fingern löscht den letzten Schritt.

Die Pinsel: Für uns Gestalter sicherlich eine der wichtigsten Fragen, gibt es Pinsel und wenn möglich viele unterschiedliche in Procreate? Ja, es gibt sie, sogar sehr viele. Von Haus aus bringt die App, unterteilt in verschiedene Kategorien, bestimmt an die 130 unterschiedliche Pinsel mit. Nicht alle sind zum malerischen Arbeiten gedacht, es sind auch Strukturen, Spritzer oder Retroelemente dabei. Aber auch zum Zeichnen und Malen bist du sehr gut ausgestattet mit den mitgelieferten Pinseln.

 

Die Pinselpalette mit vielen Auswahlmöglichkeiten

Die Pinselpalette mit vielen Auswahlmöglichkeiten

 

Jeder Pinsel lässt sich individuell variieren. Ein Klick auf den jeweiligen Pinsel in der Übersicht öffnet dir die vielen Einstellmöglichkeiten. Du kannst an den unterschiedlichsten Reglern drehen und so den Druck, die Neigung, den Winkel, die Deckkraft und vieles mehr ändern. Speicher dir deinen eigenen Pinsel ab oder importier direkt neue. Denn auch über Plattformen wie Gumroad oder Creativemarket werden immer öfter auch Brushes für Procreate angeboten. Du musst die Brushes auf das iPad bekommen, das geht zum Beispiel über die Dropbox, wenn du sie auf deinem Hauptrechner hast. Oder du lädst sie dir direkt aus dem Netz auf das iPad herunter. Hier muss man nur schauen, dass es keine Zip-Datei ist, dann wird das entpacken etwas umständlicher. Aber es geht in jedem Fall und du kannst dir neue, ganz eigene Brushes hinzufügen.

Mit wenigen Klicks mit dem Stift oder natürlich mit dem Finger, kannst du jederzeit die Pinselgröße und die Deckkraft ändern. Neben dem Pinselwerkzeug gibt es noch das Smudge-Werkzeug. Hier kannst du ebenfalls aus vielen Pinselspitzen wählen und dann Farben ineinander mischen, Übergänge weichzeichnen etc. Und das ganze bietet die App noch einmal für das Radiergummi. Auch hier stehen dir sämtliche Pinselspitzen zur Verfügung, die du alle individuell einstellen kannst.

Wie arbeite ich mit Farben? Procreate bietet dir verschiedene Möglichkeiten, mit Farbe zu arbeiten. Eine eigene Palette dafür ermöglicht es dir, die Darstellungsart zu wählen. Als Ring, als genauen Wert (wobei nur RGB verarbeitet wird, kein CMYK), klassisch mit einem großen Farbfeld, in dem du selber die Farbwerte bestimmst oder du bedienst dich aus vorgefertigten Paletten. Oder erstellst dir deine eigene Palette. Hast du eine Farbe ausgewählt, die in eine Palette hinein soll, legst du zunächst eine neue Palette an und kannst die Farbe nun mit einem Klick in die noch leere Palette hinzufügen. Innerhalb der Palette lassen sich die Farben verschieben und wieder löschen. So geht kein Farbwert mehr verloren.

 

So sehen die Farbpaletten aus

So sehen die Farbpaletten aus

 

Möchtest du eine Farbe direkt auf dem Bild aufnehmen, also mit der Pipette arbeiten, kannst du das tun, indem du mit einem Finger auf den Bildschirm klickst und einen Moment verharrst. Dann wird dir in einem Kreis die alte Farbe und die jetzt neu aufgenommene angezeigt. Der Clou ist, wenn du jetzt den Finger etwas bewegst und so auf dem Bildschirm eine andere Farbe erreichst, nimmst du diese auf. Sobald du den Finger loslässt, ist die Farbe ausgewählt und aufgenommen und du kannst mit ihr weiter arbeiten. Mit etwas Eingewöhnung sehr praktisch.

 

Farbe aufnehmen wie mit einer Pipette

Farbe aufnehmen wie mit einer Pipette

 

Hast du eine geschlossene Fläche, kannst du diese mit einer Farbe füllen. Dafür musst du oben rechts auf den kleinen Farbkreis klicken und gedrückt halten, sobald du die Farbe ausgewählt hast, kannst du sie auf den Bildschirm dorthin schieben, wo du sie haben möchtest. Sie füllt dann das entsprechende Objekt aus.

Überhaupt kannst du viel über den Touchstreen machen. Die ganze Arbeitsfläche lässt sich so rotieren, ein- oder auszoomen. Du kannst natürlich auch statt mit dem Stift mit dem Finger zeichnen, wirst damit aber nicht ganz so präzise sein können. Es soll auch die Möglichkeit geben, in den Einstellungen zur App auszuschalten, dass du mit dem Finger malen kannst, sondern dass nur die Touchgesten funktionieren. So vermeidest du ungewollte Striche auf der Zeichnung. Bei mir habe ich diese Einstellung leider noch nicht entdeckt, es scheint von der jeweiligen Version abzuhängen.

 

Farbwähler

Farbwähler

 

Übersicht über das Dokument: Links oben kommst du immer wieder zurück in die Galerie. Dort in der Leiste hast du aber auch die Möglichkeit Dinge einzustellen. Du kannst dir noch einmal die Daten zum aktuellen Bild anzeigen lassen (Ebenenanzahl, Größe etc.), du kannst Dateien und Fotos einfügen, die Leinwand kopieren, spiegeln und mehr. Es gibt hier außerdem ein Perspektivraster, welches dir bei manchen Motiven sicherlich gute Dienste leisten wird. Du kannst es individuell einstellen. Unter dem Punkt „Teilen“ kannst du dein Bild in die Dropbox oder die Cloud laden und es dabei in verschiedenen Dateiformaten speichern. Es steht dir zum Beispiel auch ein .psd zur Verfügung. So werden alle Ebenen erhalten und du kannst in Photoshop weiter arbeiten. Aber auch .jpg, .tiff, .png. und .pdf sind möglich.

 

Einstellungen für dein Dokument

Einstellungen für dein Dokument

 

Eine tolle Sache ist das Zeitraffer-Video, welches du aufnehmen kannst. So werden alle deine Arbeitsschritte abgefilmt und im Zeitraffer wieder gegeben. Paletten und ähnliches sind allerdings nicht im Bild, nur das, was auf dem Bildschirm geschieht wird aufgenommen. Ein Beispiel davon, wie ich mein Bild erstellt habe, findest du auf meinem Youtube-Kanal.

Möchtest du eine gerade Linie ziehen und bekommst das von Hand nicht hin, kannst du einfach eine Linie zeichnen und am Ende nicht absetzen, sondern einen Moment verweilen, dann ändert Procreate die Linie von unsauber und wellig in schnurgerade. Wie lange es dauert und du den Stift/Finger auf dem Bildschirm belassen musst, ist eine weitere Einstellmöglichkeit links oben im Menü. Hier findet sich zudem auch das Auswahlwerkzeug. Du kannst die gesamte Ebene auswählen lassen oder nur einen Bereich. Diesen kannst du Freihand auswählen (ähnlich dem Lasso in Photoshop) oder automatisch. Dafür klickst du in den auszuwählenden Bereich und kannst durch ziehen nach rechts die Toleranz bestimmen. Immer mehr Bereiche werden ausgewählt. Hast du einen Bereich ausgewählt und klickst dann zusätzlich auf den kleinen Pfeil oben links, das Auswahlwerkzeug, kannst du nur diesen ausgewählten Bereich verschieben oder verzerren.

Außerdem kannst du grundlegende Sachen wie eine helle oder dunkle Oberfläche einstellen und ob die Bedienelemente links oder rechts angeordnet werden sollen. Was allerdings im Nachhinein nicht mehr geht, ist die Einstellungen des Dokuments zu verändern. Von einem A4 Hochformat kommt man nicht mehr zum Querformat, dafür muss man eine neue Leinwand erstellen. Man kann aber alle Elemente im Bild auch kopieren und in ein neues einfügen. So könnte man sich also behelfen.

Es stehen dir außerdem diverse Filter und weitere Anpassungen zur Verfügung. Auch diese Einstellmöglichkeiten findest du links oben in der Navigation. So kannst du z.B. mit dem Gausschen Weichzeichner arbeiten, die Deckkraft reduzieren oder den Farbton verändern. Alles Dinge, die du aus Photoshop schon kennst.

 

Filter und Anpassungen

Filter und Anpassungen

 

Natürlich hast du nicht alle Werkzeuge, die dir in Photoshop zur Verfügung stehen, auch in der App dabei sind, das ist vermutlich jedem klar. Aber man kann in jedem Fall schöne und hochwertige Illustrationen erstellen, man bekommt einen Schwung an Möglichkeiten mitgeliefert und mit dem ein oder anderen Trick kann man sich in jedem Fall weitere Dinge erschließen. Ich habe viele tolle Tutorials zum Programm auf Youtube gefunden. Mike Henry beispielsweise zeigt sehr viele spannende Demonstrationen des Programms. Schau da unbedingt mal rein! Und bitte entschuldigt die schlechten „Bildschirmfotos“, ich hoffe, ihr könnt alles erkennen.

Das Motiv, welches ihr auf den Bildern sehen könnt, ist mittlerweile zu meiner Weihnachtskarte geworden und ich bin sehr zufrieden mit der Qualität. Den Text habe ich nachträglich in Photoshop drauf gesetzt, dafür bietet die App leider keine Funktion soweit ich sehen konnte. Aber da ich ja alles als .psd speichern kann, ist das kein Problem. Ich bin sehr glücklich und werde Procreate sicherlich öfter nutzen!

 

Mein Motiv auf Weihnachtskarten

Mein Motiv auf Weihnachtskarten

10 Kommentare

  1. Carmen sagt:

    Hallo Meike,

    danke für die Übersicht. Ich wünsche mir auch ein Ipad zu Weihnachten 😉 , das war schon mal eine prima Übersicht. Eine Frage: benutzt du eine Schutzfolie auf dem Ipad? Hab öfters gelesen, dass das mit ein bisschen Reibung und dem Pencil gut funktionieren soll.

    lg Carmen

  2. Meike sagt:

    Hallo Carmen,

    es freut mich, dass mein Bericht hilfreich war. Noch habe ich keine Schutzfolie drauf, habe aber von Kollegen schon gehört, dass das nicht verkehrt sein soll. Es geht auch ohne, aber ich denke, dass ich das testen werde und mir eine besorge.

    Liebe Grüße
    Meike

  3. Daniel sagt:

    Toll, Meike! Ein ausführlicher und interessanter Bericht! Kann mir das arbeiten mit Procreate jetzt noch besser vorstellen! Finde es sehr hilfreich, dass du auch auf leicht übersehbare Details eingehst! :)

    Würde die App auf dem iPad echt gerne mal testen. Das sieht in Videos immer so smooth aus!

    DANKE!

  4. Meike sagt:

    Hallo Daniel!
    Ich kann die App wirklich empfehlen. Habe auch den Sprung ins kalte Wasser gewagt und mich vorher nur etwas informiert, aber nie getestet. Und ich wurde bisher nicht enttäuscht.

  5. Mary sagt:

    Hallo Meike!
    Danke für den Überblick! Mich würde noch interessieren, wie viel Speicherplatz die Procreate Dateien so einnehmen, bin gerade hin und her gerissen, ob ein 64GB iPad reicht oder ob man gleich die Stufe höher nimmt 😉

    Danke dir!

  6. Nini Alaska sagt:

    Liebe Meike!

    Echt guter Bericht über meinen Lieblingszeichenblock ;).
    Auch wenn ich schon lange und gern damit arbeite, habe ich noch eine offene Frage: hast du einen Tipp für mich, wie ich im Programm mit dem Anlegen einer Doppelseite umgehen kann? Soweit ich weiß, kann man die Leinwand nicht kopieren und zwei Leinwände nebeneinander setzen. Da ich meist im Quadrat zeichne und jetzt vor der Aufgabe stehe, für ein Magazin eine Doppel(A4-)Seite zu entwerfen, suche ich nach der Möglichkeit, die Übergänge quasi fließend von Blatt zu Blatt zu zeichnen. Meinst du, das kriegt man da irgendwie hin?
    Oder wenn nicht, wo besser?

    Lieben Gruß von Nini Alaska

  7. Nini Alaska sagt:

    …übrigens ein wunderschönes Motiv, deine Karte!!

  8. Daryo sagt:

    Besten Dank
    2 Fragen
    1 kann man die Zeitrafferaufnahme exportieren?
    2 kann man bestimmte Ebenen von der Zeitrafferaufnahme ausschliessen?

  9. Meike sagt:

    Liebe Nini,

    Ich würde die Doppelseite wohl als ein Dokument erstellen. Wenn die Einzelseite meinetwegen 21cm lang ist, die Doppelseite also mit 42cm anlegen. Dann einen Strich ziehen als Markierung für die Mitte. Und dann exportieren, in InDesign öffnen und dort das Motiv auf zwei Einzelseiten legen. Wenn du dann ein PDF schreibst, kannst du Einzelseiten ausgeben, wenn gewünscht. Hilft dir das?

    LG Meike

  10. Meike sagt:

    Hey Daryo,

    du kannst die Zeitrafferaufnahme exportieren, das ist kein Problem. Du erhälst ein mp4. Wenn die Ebene nicht sichtbar ist, also ausgeblendet, siehst du das, was drauf ist auch bei der Aufnahme nicht. Man sieht sowieso nur die Arbeitsfläche, nicht die einzelnen Menüfenster. Dafür müsstest du den Bildschirm aufnehmen, also wenn du auch deine Ebenenpalette mit abfilmen willst zb.

    Grüße
    Meike

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