„Bilderbuchpreis Troisdorf – eine Odyssee, wenn die Bilder beschädigt werden“

21. Sep. 2012

Sicherlich kennen viele von euch den Bilderbuchpreis der Stadt Troisdorf, der jedes Jahr  in einem Wettbewerb vergeben wird. Das Museum Burg Wissem ist der Organisator. Ich hatte mein Buch „Die Zaubermühle“ im vergangenen Jahr ebenfalls dort eingereicht. Um am Wettbewerb teilzunehmen, muss man das Buch in mehrfacher Ausführung sowie zwei der Originalillustrationen dorthin schicken. Das tat ich auch, gut verpackt, so dass die wertvolle Fracht unbeschadet ankommt.

Leider hat es für mich nicht aufs Treppchen gereicht, aber immerhin gehörten meine Bilder zu einer kleinen Gruppe von Bildern, die nach der Preisvergabe noch eine Weile im Museum Troisdorf ausgestellt wurden. Na, das hat mich doch auch schon gefreut. Ich hatte sogar das Glück, selber noch einmal vor Ort sein zu können und meine Bilder dort an der Wand zu sehen.

 

Meine beiden Originale der Zaubermühle

 

Die Ausstellungsräume

 

Nach Beendigung der Ausstellung bekam ich die Originale auch umgehend zurück, das ging wirklich alles sehr zügig. Da habe ich mich noch gefreut, wie schnell und glatt alles lief. Aber ich hatte das Paket noch nicht geöffnet, ich sollte eines besseren belehrt werden.

Denn leider hatten beide Originale an identischer Stelle einen scharfen, etwa 6cm langen Knick erhalten. Ich war geschockt! Da habe ich alles so gut eingepackt, zwischen dicken Pappen, mit Luftpolsterfolie eingewickelt und dann das. Die Kartons ließen aber keine Rückschlüsse auf einen Knick zu, sie sahen unversehrt aus. Woher kam der also und wieso wurden die Bilder einfach eingepackt, ohne etwas zu sagen? Der Knick musste eindeutig schon vorher da gewesen sein.

 

So bekam ich die Bilder zurück

 

Ich schaute mir die Fotos, die ich bei der Ausstellung gemacht habe, noch einmal genauer an und dort war der Knick schon zu erkennen, jetzt wo ich wusste, wohin ich schauen musste.

 

Der Knick war schon während der Ausstellung da

 

Nach einem Telefonat mit Frau Liesen, der Verantwortlichen für den Wettbewerb, war ich nur geringfügig schlauer. Sie entschuldigte sich natürlich für die Beschädigung, warum es einfach so eingepackt wird, ohne eine Erklärung dazu, konnte sie allerdings auch nicht sagen. Die Bilder waren mit 2.500,- versichert, also sollte sich da ja etwas machen lassen. Sie würden natürlich die Kosten für die Reparatur tragen.

So weit, so gut, leider war es nicht so einfach, in Hamburg einen Restaurator zu finden. Und dann noch einen, der wirklich Bilder restauriert, nicht bloß ganze Bücher oder Möbel, da gab es schon mehrere von. Nach langer Suche fand ich die Firma Henriques & Beintker, die mir helfen konnten. Herr Beintker sah sich die Bilder an und war sich fast sicher, die Knicke entstanden, weil beide Originale, noch übereinander liegend, über eine Tischkante gedrückt wurden. Vielleicht mit dem Handballen beim Auspacken.

Er schrieb ein Gutachten, Kosten dafür 80,-. Für die Restauration, von der er nicht versprechen konnte, dass sie 100% gelinge, wurden 220,- pro Bild veranschlagt. Ich packte alles wieder ein und schickte dem Museum Troisdorf das Gutachten zusammen mit einer Aufstellung über die Kosten der Restauration, sowie eine Summe für die Wertminderung, die die Bilder ganz offensichtlich erlitten hatten und außerdem wollte ich meine Fahrtkosten erstattet bekommen. Immerhin fuhr ich mehrmals etwa 25km in die Stadt rein und wieder raus, auf der Suche nach einem Restaurator und um das Gutachten zu erstellen, die Bilder dann dort abzugeben, nachdem das Gutachten mir vom Museum bezahlt wurde und die Bilder dann wieder nach einiger Zeit abzuholen.

Restauration, Gutachten und 30 Cent pro Kilometer wurden mir bezahlt, ich gab die Bilder also zum Restaurieren. Allerdings lehnte die Versicherung des Museums eine Wertminderung grundsätzlich ab, das würde sie nicht bezahlen. Ich frage mich, warum die Bilder mit 2.500,- versichert werden, wenn bloß die Reparatur und ein Gutachten bezahlt werden? Nein, da sei nichts zu machen, das würde die Versicherung nicht zahlen.

Endlich nach einiger Zeit konnte ich die Bilder wieder beim Restaurator abholen. Doch leider war der Knick nicht ganz verschwunden, es hätte die Farben und das umliegende Papier zu stark angegriffen, hätte man mehr versucht.

 

Auch jetzt sieht man den Knick immer noch etwas

 

Ich vertraue da auf die fachmännische Meinung, ich kann nicht beurteilen, ob mehr möglich gewesen wäre, ohne das Material zu beschädigen. Die Bilder sind so, wie sie jetzt eben sind, damit muss ich leider leben. In meinen Augen liegt ganz klar eine Wertminderung vor, die mir auch vom Restaurator bestätigt und mit 20% angegeben wurde.

Nun ist das mit Preisen für Originale ja immer so eine Sache, etwas schwer zu greifen. Die Arbeitszeit zu berechnen, klappt selten, außerdem steckt immer viel Herzblut drin. Ich denke, ich habe mich auf eine humane Summe mit mir selber geeinigt und stellte dem Museum nun die 20% davon in Rechnung. Nachdem ich schon angekündigt hatte, mich bezüglich der Wertminderung noch einmal zu melden. Jetzt ging mein Anliegen direkt in die Abteilung für Versicherungsangelegenheiten. Doch es passierte nichts. Meine Zahlungsfrist lief ab, ich gab noch über eine Woche drauf, dann schickte ich eine Erinnerung. Wieder passierte nichts. Erst als noch eine Woche verstrich, meldetet sich die Dame von der Versicherungsabteilung und sagte, sie hätte alles zur Versicherung geschickt, ich möge bitte warten.

Nun muss man dazu sagen, dass zu diesem Zeitpunkt schon über ein Jahr seit dem Wettbewerb vergangen war. Und nein, ich wollte langsam nicht länger warten. Alles war bisher sehr zögerlich verlaufen, Antworten ließen auf sich warten und ich hatte bisher nur Ärger und Gerenne.

Ich sagte unmissverständlich, dass ich nicht warten wolle. Eine Woche später hatte sich immer noch nichts getan, keine weitere Reaktion, also rief ich an. Die gute Dame sei ganz alleine, es waren ja Sommerferien und auch bei der Versicherung sei Urlaubszeit. Ich müsste warten. Das war mir aber herzlich egal, warten wollte ich nicht. Ich musste mit meinem Anwalt drohen, damit erneut bei der Versicherung nachgefragt wurde. Und als Krönung folgte der Satz: „Wenn die Versicherung die Wertminderung nicht bezahlt, wir zahlen sie natürlich auch nicht!“. Das möchte ich auch gerne, ich mache mutwillig was kaputt, die Haftpflicht zahlt nicht, aber ich, ich natürlich auch nicht… Das wäre ja noch schöner.

Nach weiteren zwei Wochen bekam ich dann endlich bescheid, das Geld würde von der Versicherung an mich überwiesen werden. Wie sich dann herausstellte, wurde es aber an das Museum überwiesen, ich konnte also wieder meinem Geld hinterher laufen und musste diesen Umstand selber anmerken und um Überweisung auf mein Konto bitten.

Mein Fazit: Über ein Jahr Ärger, weil Bilder in der Obhut des Museums Burg Wissem beschädigt wurden, viel Gelaufe, Telefonieren und Nachfragen. Immer noch beschädigte Originale, die jetzt leider mit einem leichten Knick verbleiben und dazu noch viele lästige und anstrengende Mails und Telefonate mit den Verantwortlichen, die mich vertrösteten und alles heraus zögerten.

Ich würde mir gut überlegen, ob ich wieder Originale zu einem Wettbewerb schicke, auch wenn es ein großer, bekannter wie in diesem Fall ist. Da nützt auch die Versicherung nichts, wenn der ganze Ärger und die kaputten Bilder bleiben. Ich kann nur jedem raten, der ähnliches vorhat, es sich gut zu überlegen. Solange alles gut geht, geht alles gut, aber wenn es mal drauf ankommt, bleibt am Ende nur der Ärger und ein sehr fader Beigeschmack.

 

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