„Buchdoppelseite gestalten – wie gehts?“

12. Feb. 2017

Möchte man eine Buchdoppelseite (oder auch eine Einzelseite, eine Magazinseite, egal) gestalten, sollte man sich vorher überlegen, wie man das genau machen möchte. Sicherlich beginnt man mit einer Skizze. Dabei kann man sich entweder zuerst nur mit dem Motiv an sich beschäftigen oder man versucht, die ganze Szene, die entstehen soll, direkt schon im Layout unterzubringen. Dafür kann man sich dann kleine Rahmen aufzeichnen, die von den Verhältnissen denen des späteren Buches entsprechen. Das dient als Orientierung. Ich fange gerne sehr klein an, um die ersten Möglichkeiten der Bildaufteilung durchzuspielen.

Hier habe ich einige Dinge aufgezeichnet, die euch helfen, das Bild anzulegen. Es kommt natürlich immer auf euer individuelles Motiv und die Gegebenheiten und Vorgaben an, aber ein paar grundsätzliche Dinge solltet ihr beachten. Eine wichtige Sache ist zum Beispiel, direkt immer schon den Text zu berücksichtigen. Nichts ist ärgerlicher, als nach getaner Arbeit zu merken, dass kein Platz mehr für den Text geblieben ist. Denkt außerdem an die Buchmitte, den Bund. Dort gehen Details verloren, ein Buch wird nie ganz plan aufgeklappt. Es sollten also keine wichtigen Bildmotive durch die Mitte laufen.

Schaut doch mal, wie ich es mache, wenn es an die ersten Skizzen geht. Eine erste Frage ist die nach der grundsätzlichen Seitenaufteilung. Wo steht der Text, wo findet die Szenerie statt, bleibt Weißraum, sind die Motive freigestellt, halbseitig, bis zur Mitte, geht das Bild unter dem Text weiter?

 

Möglichkeiten der Seitenaufteilung

 

Ihr solltet euch außerdem fragen, wo die Spannung, das Zentrum des Bildes auf der Seite sein soll. Mittig vielleicht? Kann man machen, aber es wirkt doch schnell etwas langweilig. Schiebt die Szenerie doch etwas zur Seite oder nach oben. Verlagert das Zentrum und ihr werdet sehe, das Bild erhält mehr Spannung, es wird sofort interessanter.

 

SeitenaufbauBuch3

Wenn das Zentrum aus der Mitte gerückt wird, erzeugt das Spannung

 

Nun möchtet ihr natürlich etwas bestimmtes zeichnen. Es gibt vielleicht eine Hauptfigur, die in der Szene vorkommt oder einen Schwerpunkt im Bild. Schaut auch hier, wo sich dieser Schwerpunkt befindet, wenn ihr die ganze Doppelseite betrachtet. Denkt wieder an die Mitte und daran, ein wenig Spannung zu erzeugen, um es für den Betrachter interessanter zu machen. Man kann Figuren anschneiden, ohne dass sie etwas verlieren. Das ist z.B. eine gute Möglichkeit, das Motiv interessanter zu gestalten. Allerdings bitte nicht so anschneiden, dass wichtige Dinge der Figur verloren gehen. Natürlich darf die Hauptfigur auch durch den Bund gehen, dann achtet aber darauf, dass nicht das Gesicht geteilt wird.

 

Warum eine Hauptfigur nicht auch mal anschneiden?

Warum eine Hauptfigur nicht auch mal anschneiden?

 

Hat euer Bild einen Horizont? Wenn ja, habt ihr euch überlegt, auf welcher Höhe der liegt? Auch hier kann es sich lohnen, einmal auszuprobieren was dem Bild guttut. Vielleicht bringt es Spannung, wenn man viel Himmel und wenig vom Boden sieht. Oder es ist genau umgekehrt. Probiert das unbedingt aus, bevor ihr euch für einen mittigen Horizont entscheidet.

 

Wo verläuft die Horizontlinie im Bild?

Wo verläuft die Horizontlinie im Bild?

 

Und zu guter Letzt möchte ich zeigen, was Größenverhältnisse bewirken können. Ist eure Hauptfigur wie in meinem Beispiel nun groß im Vordergrund angeschnitten, kann es für das Bild erhebliche Unterschiede machen, ob die Dinge im Hintergrund ebenfalls groß und im Anschnitt zu sehen sind oder vielleicht deutlich kleiner. Der Betrachter weiß, dass ein Baum nicht kleiner ist als ein Bär. Es entsteht stattdessen der Eindruck von Raum, die Bäume stehen weiter weg vom Betrachter. Spiel mit Räumlichkeit, erzeuge mehrere Ebenen, Vorder-, Mittel- und Hintergrund. Es gibt so viele Möglichkeiten.

 

Erzeuge Räumlichkeit durch optische Verkleinerung

Erzeuge Räumlichkeit durch optische Verkleinerung

 

Ein Kommentar

  1. Sarah sagt:

    Yay, dankeschön für den Einblick in Deine Herangehensweise, Meike! Das ist wirklich sehr aufschlussreich! Bei meinem nächsten Projekte werde ich es dir sicher gleich tun!

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