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Arbeiten mit Procreate am iPad

Seit kurzem habe ich die Möglichkeit, die App „Procreate“ am iPad zu nutzen. Mit dieser App kannst du auf dem iPad fast genauso arbeiten wie du es aus Photoshop gewohnt bist. Ich habe es ausprobiert und denke, dass für eine kleine App (sie kostet 9,99 Euro) die Möglichkeiten absolut in Ordnung sind. Du bekommst die App über den Apple Store, dort kannst du sie kaufen und dann herunter laden. Sie ist dann direkt auf dem iPad installiert, es bedarf keiner weiteren Schritte.

Wenn du die App installiert hast empfiehlt es sich, mit dem Apple Pencil zu arbeiten. Dieser koppelt sich via Bluetooth. Der kostet zwar eine Stange Geld (109,00 Euro), er bietet aber gerade im Zusammenhang mit der App tolle Möglichkeiten. Das iPad reagiert sowohl auf den Stiftandruck als auch auf den Neigungswinkel. Du kannst den Stift sogar relativ schräg aufsetzen, so dass die komplette Spitze genutzt wird. So lässt es sich wunderbar schraffieren. Mit diesem Stift zusammen kannst du sehr gut in Procreate arbeiten bin ich der Meinung.

Dokument anlegen: Du hast die Möglichkeit, ein neues Dokument nach deinen Vorstellungen zu erstellen, sprich kannst die Größe und die Auflösung bestimmen. Außerdem sind einige Formate voreingestellt, wenn man damit arbeiten möchte. Ein wenig aufpassen muss man bei sehr großen Formaten. Denn je größer du die Datei anlegst, umso weniger Ebenen stehen dir später zur Verfügung. Als Beispiel habe ich einmal ein A4-Format in 300ppi erstellt, dort hatte ich 57 Ebenen zur Verfügung. Erhöhe ich die ppi-Zahl auf 600, sind es nur noch 11. Das mag für den ein oder anderen reichen, ich arbeite gerne mit vielen Ebenen, da wären 11 wohl schon knapp. Aber mit 57 Ebenen lässt sich gut arbeiten und 300ppi ist ja die Standarddruckauflösung. Das schöne ist, dass dir Procreate die Anzahl der Ebenen direkt beim erstellen des Dokuments anzeigt.

 Wenn du schon mehrere Dokumente angelegt hast, bekommst du sie alle in der Galerie angezeigt. Dort kannst du sie jederzeit wieder auswählen und weiter bearbeiten, umbenennen, duplizieren, löschen oder zu Stapeln vereinen. Also eine gute Übersicht.

Mit Ebenen arbeiten: Wenn dein Dokument nun geöffnet ist, arbeitet es sich sehr ähnlich zu Photoshop. Du kannst wie gesagt mehrere Ebenen nutzen, die sich ähnlich der Palette in Photoshop bedienen lassen. Neue Ebene erstellen, anklicken und gedrückt halten ermöglicht dir, sie in der Reihenfolge zu verschieben. Ein Klick auf das kleine Bild in der Ebene bringt weitere Möglichkeiten zum Vorschein. Alles auf der Ebene liegende auswählen zum Beispiel, eine Funktion, die ähnlich der Schnittmaske in Photoshop gedacht ist. Entweder kann ich jetzt auf derselben Ebene innerhalb der Auswahl arbeiten oder ich lege mir eine neue an und arbeite dort weiter.

Ausgewählte Dinge lassen sich bewegen, skalieren, drehen und verzerren (zum Verzerren muss einer der Eckpunkte länger angeklickt werden, dann ist nur dieser Ankerpunkt aktiv), so kannst du also auch mitten im Arbeiten flexibel mit den Elementen umgehen. Ähnlich dem Lasso kannst du auch nur einen Bereich auf der Ebene auswählen und diesen dann skalieren usw. Auch Gruppen von Ebenen kennt das Programm. Wählst du mehrere Ebenen aus, indem du sie anklickst und gleichzeitig nach rechts wischt, kannst du sie in einer Gruppe organisieren. Ein- und ausblenden ist sowieso kein Problem. Und auch in Procreate kannst du mit unterschiedlichen Ebenenmodi spielen, die App bietet dir fast 20 unterschiedliche Einstellmöglichkeiten. Multiplizieren oder aufhellen ist also gar kein Problem.

Wischst du die Ebene nach links, stehen dir weitere Möglichkeiten zur Verfügung. Sie zu löschen zum Beispiel. Solltest du einmal etwas falsches gemacht haben, gibt es immer eine Zurück-Taste, du kannst also alles wiederherstellen. Auch ein Touch mit zwei Fingern löscht den letzten Schritt.

Die Pinsel: Für uns Gestalter sicherlich eine der wichtigsten Fragen, gibt es Pinsel und wenn möglich viele unterschiedliche in Procreate? Ja, es gibt sie, sogar sehr viele. Von Haus aus bringt die App, unterteilt in verschiedene Kategorien, bestimmt an die 130 unterschiedliche Pinsel mit. Nicht alle sind zum malerischen Arbeiten gedacht, es sind auch Strukturen, Spritzer oder Retroelemente dabei. Aber auch zum Zeichnen und Malen bist du sehr gut ausgestattet mit den mitgelieferten Pinseln.

Jeder Pinsel lässt sich individuell variieren. Ein Klick auf den jeweiligen Pinsel in der Übersicht öffnet dir die vielen Einstellmöglichkeiten. Du kannst an den unterschiedlichsten Reglern drehen und so den Druck, die Neigung, den Winkel, die Deckkraft und vieles mehr ändern. Speicher dir deinen eigenen Pinsel ab oder importier direkt neue. Denn auch über Plattformen wie Gumroad oder Creativemarket werden immer öfter auch Brushes für Procreate angeboten. Du musst die Brushes auf das iPad bekommen, das geht zum Beispiel über die Dropbox, wenn du sie auf deinem Hauptrechner hast. Oder du lädst sie dir direkt aus dem Netz auf das iPad herunter. Hier muss man nur schauen, dass es keine Zip-Datei ist, dann wird das entpacken etwas umständlicher. Aber es geht in jedem Fall und du kannst dir neue, ganz eigene Brushes hinzufügen.

Mit wenigen Klicks mit dem Stift oder natürlich mit dem Finger, kannst du jederzeit die Pinselgröße und die Deckkraft ändern. Neben dem Pinselwerkzeug gibt es noch das Smudge-Werkzeug. Hier kannst du ebenfalls aus vielen Pinselspitzen wählen und dann Farben ineinander mischen, Übergänge weichzeichnen etc. Und das ganze bietet die App noch einmal für das Radiergummi. Auch hier stehen dir sämtliche Pinselspitzen zur Verfügung, die du alle individuell einstellen kannst.

Wie arbeite ich mit Farben? Procreate bietet dir verschiedene Möglichkeiten, mit Farbe zu arbeiten. Eine eigene Palette dafür ermöglicht es dir, die Darstellungsart zu wählen. Als Ring, als genauen Wert (wobei nur RGB verarbeitet wird, kein CMYK), klassisch mit einem großen Farbfeld, in dem du selber die Farbwerte bestimmst oder du bedienst dich aus vorgefertigten Paletten. Oder erstellst dir deine eigene Palette. Hast du eine Farbe ausgewählt, die in eine Palette hinein soll, legst du zunächst eine neue Palette an und kannst die Farbe nun mit einem Klick in die noch leere Palette hinzufügen. Innerhalb der Palette lassen sich die Farben verschieben und wieder löschen. So geht kein Farbwert mehr verloren.

Möchtest du eine Farbe direkt auf dem Bild aufnehmen, also mit der Pipette arbeiten, kannst du das tun, indem du mit einem Finger auf den Bildschirm klickst und einen Moment verharrst. Dann wird dir in einem Kreis die alte Farbe und die jetzt neu aufgenommene angezeigt. Der Clou ist, wenn du jetzt den Finger etwas bewegst und so auf dem Bildschirm eine andere Farbe erreichst, nimmst du diese auf. Sobald du den Finger loslässt, ist die Farbe ausgewählt und aufgenommen und du kannst mit ihr weiter arbeiten. Mit etwas Eingewöhnung sehr praktisch.

Hast du eine geschlossene Fläche, kannst du diese mit einer Farbe füllen. Dafür musst du oben rechts auf den kleinen Farbkreis klicken und gedrückt halten, sobald du die Farbe ausgewählt hast, kannst du sie auf den Bildschirm dorthin schieben, wo du sie haben möchtest. Sie füllt dann das entsprechende Objekt aus.

Überhaupt kannst du viel über den Touchstreen machen. Die ganze Arbeitsfläche lässt sich so rotieren, ein- oder auszoomen. Du kannst natürlich auch statt mit dem Stift mit dem Finger zeichnen, wirst damit aber nicht ganz so präzise sein können. Es soll auch die Möglichkeit geben, in den Einstellungen zur App auszuschalten, dass du mit dem Finger malen kannst, sondern dass nur die Touchgesten funktionieren. So vermeidest du ungewollte Striche auf der Zeichnung. Bei mir habe ich diese Einstellung leider noch nicht entdeckt, es scheint von der jeweiligen Version abzuhängen. 

Übersicht über das Dokument: Links oben kommst du immer wieder zurück in die Galerie. Dort in der Leiste hast du aber auch die Möglichkeit Dinge einzustellen. Du kannst dir noch einmal die Daten zum aktuellen Bild anzeigen lassen (Ebenenanzahl, Größe etc.), du kannst Dateien und Fotos einfügen, die Leinwand kopieren, spiegeln und mehr. Es gibt hier außerdem ein Perspektivraster, welches dir bei manchen Motiven sicherlich gute Dienste leisten wird. Du kannst es individuell einstellen. Unter dem Punkt „Teilen“ kannst du dein Bild in die Dropbox oder die Cloud laden und es dabei in verschiedenen Dateiformaten speichern. Es steht dir zum Beispiel auch ein .psd zur Verfügung. So werden alle Ebenen erhalten und du kannst in Photoshop weiter arbeiten. Aber auch .jpg, .tiff, .png. und .pdf sind möglich.

Eine tolle Sache ist das Zeitraffer-Video, welches du aufnehmen kannst. So werden alle deine Arbeitsschritte abgefilmt und im Zeitraffer wieder gegeben. Paletten und ähnliches sind allerdings nicht im Bild, nur das, was auf dem Bildschirm geschieht wird aufgenommen. Ein Beispiel davon, wie ich mein Bild erstellt habe, findest du auf meinem Youtube-Kanal.

Möchtest du eine gerade Linie ziehen und bekommst das von Hand nicht hin, kannst du einfach eine Linie zeichnen und am Ende nicht absetzen, sondern einen Moment verweilen, dann ändert Procreate die Linie von unsauber und wellig in schnurgerade. Wie lange es dauert und du den Stift/Finger auf dem Bildschirm belassen musst, ist eine weitere Einstellmöglichkeit links oben im Menü. Hier findet sich zudem auch das Auswahlwerkzeug. Du kannst die gesamte Ebene auswählen lassen oder nur einen Bereich. Diesen kannst du Freihand auswählen (ähnlich dem Lasso in Photoshop) oder automatisch. Dafür klickst du in den auszuwählenden Bereich und kannst durch ziehen nach rechts die Toleranz bestimmen. Immer mehr Bereiche werden ausgewählt. Hast du einen Bereich ausgewählt und klickst dann zusätzlich auf den kleinen Pfeil oben links, das Auswahlwerkzeug, kannst du nur diesen ausgewählten Bereich verschieben oder verzerren.

Außerdem kannst du grundlegende Sachen wie eine helle oder dunkle Oberfläche einstellen und ob die Bedienelemente links oder rechts angeordnet werden sollen. Was allerdings im Nachhinein nicht mehr geht, ist die Einstellungen des Dokuments zu verändern. Von einem A4 Hochformat kommt man nicht mehr zum Querformat, dafür muss man eine neue Leinwand erstellen. Man kann aber alle Elemente im Bild auch kopieren und in ein neues einfügen. So könnte man sich also behelfen.

Es stehen dir außerdem diverse Filter und weitere Anpassungen zur Verfügung. Auch diese Einstellmöglichkeiten findest du links oben in der Navigation. So kannst du z.B. mit dem Gausschen Weichzeichner arbeiten, die Deckkraft reduzieren oder den Farbton verändern. Alles Dinge, die du aus Photoshop schon kennst.

Natürlich hast du nicht alle Werkzeuge, die dir in Photoshop zur Verfügung stehen, auch in der App dabei sind, das ist vermutlich jedem klar. Aber man kann in jedem Fall schöne und hochwertige Illustrationen erstellen, man bekommt einen Schwung an Möglichkeiten mitgeliefert und mit dem ein oder anderen Trick kann man sich in jedem Fall weitere Dinge erschließen. Ich habe viele tolle Tutorials zum Programm auf Youtube gefunden. Mike Henry beispielsweise zeigt sehr viele spannende Demonstrationen des Programms. Schau da unbedingt mal rein! Und bitte entschuldigt die schlechten „Bildschirmfotos“, ich hoffe, ihr könnt alles erkennen.

Das Motiv, welches ihr auf den Bildern sehen könnt, ist mittlerweile zu meiner Weihnachtskarte geworden und ich bin sehr zufrieden mit der Qualität. Den Text habe ich nachträglich in Photoshop drauf gesetzt, dafür bietet die App leider keine Funktion soweit ich sehen konnte. Aber da ich ja alles als .psd speichern kann, ist das kein Problem. Ich bin sehr glücklich und werde Procreate sicherlich öfter nutzen!

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